Brilon Realism
1. November 2020
Spain

I created eight works for the interiour of a yacht. Technique: UV Print on wall panels, sealed with Plexiglass.

All interiour and outdoor photographs (c) Studio Borlenghi.

„Brilon Realism“ besteht aus acht einzeln gestalteten Wandpaneelen, die in die Innenarchitektur einer Yacht integriert wurden. Den besonderen Kontext der Arbeiten reflektiert Bendzulla auf vielfältige Weise. Eine Yacht ist in erster Linie ein Luxusgut und dient dem persönlichen Vergnügen der BesitzerInnen, aber auch Repräsentationszwecken. Wertigkeit bzw. Wertschöpfung sind somit naheliegende Themen einer künstlerischen Arbeit, die für eine solche Umgebung konzipiert werden soll.

„In den einzelnen Werken finden sich zahlreiche, häufig widersprüchliche Verwendungen ‚wertiger‘ Ästhetiken. So haben alle Arbeiten perfekt glatte, hochglänzende Oberflächen, welche jedoch durch zahlreiche ästhetische Entscheidungen konterkariert werden. Beispielsweise tauchen als Motiv immer wieder farbverschmierte Holzböcke auf, deren billiges und funktionales Erscheinungsbild der Hochglanzoptik eindeutig zuwiderläuft. Auch die zahlreichen computeranimierten Elemente in den Bildern sind von einer perfekten Simulation ihrer Referenzmotive weit entfernt. Landschaften, Pflanzen und Tiere sind von einer kalt wirkenden, mathematischen Kantigkeit, welche ihrer ursprünglichen Organik diametral entgegensteht: Unzulänglichkeit und Perfektion verbinden sich zu einer in sich höchst widersprüchlichen Ästhetik.

Maximale finanzielle Möglichkeiten ermöglichen ein Höchstmaß an Perfektion; Perfektion wiederum erfordert ein Maximum an Kontrolle und Zurichtung. Viele Elemente in meinen Bildern zitieren hingegen Formen von Kontrollverlust: Farbspritzer wirken häufig wie Verunreinigungen innerhalb der Arbeiten, werden aber auch ganz bewusst als Kompositionsmittel verwendet; Zeichnungen erscheinen oft als unwillkürliches Krickelkrackel, tauchen aber auch als Darstellungen technischer Apparaturen auf.

Naturdarstellungen spielen auch deshalb eine so große Rolle in den Arbeiten, weil sie einerseits auf die Eigenlogik und Selbstorganisation von natürlichen Prozessen verweisen, sie andererseits aber zugleich als schon immer domestiziert darstellen. So wird die Zurichtung von Natur als klassische Form der Wertschöpfung durch die unterschiedlichen ‚Aggregatzustände‘ des Rohstoffs Holz thematisiert: Vom Baum über den Brennholzstapel und den Klappbock bis hin zum präzisen Bilderrahmen reicht die Palette der Erscheinungsformen. Dazu kommen Topfpflanzen und Raubtiere, die an Zirkusnummern erinnernde Choreografien aufzuführen scheinen. Und das alles in einer Formensprache, die realistisch, aber dennoch digital abstrahiert ist.

Manche Motive verweisen auch einfach schlicht auf die auftraggebenden Personen. So werden deren Heimatorte Köln und Brilon durch charakteristische Bauwerke bzw. Schriftzüge repräsentiert.“

J.B.